»Robert-Enke-Stiftung« verharmlost Risiken und Nebenwirkungen von Antidepressiva

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Die »Robert-Enke-Stiftung« engagiert sich u.a. für die Entstigmatisierung von Depressionen. Das ist eine großartige Sache. Leider empfiehlt sie aber auch Antidepressiva zur Behandlung und behauptet, diese würden nicht abhängig machen, die Persönlichkeit nicht verändern und eine Disbalance an Botenstoffen im Gehirn, die auch Ursache einer Depression sei, beseitigen. Das entspricht nicht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und daher habe ich die Stiftung angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.

Sehr geehrte Frau Enke,
sehr geehrte Mitglieder der Robert-Enke-Stiftung,

als Mitglied der »Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie« (DGSP) möchte ich Ihnen für Ihre wertvolle und wichtige Aufklärungsarbeit über die Erkrankung Depression danken. Auch die DGSP widmet sich dieser Aufgabe und ich selbst mit meinem Blog. Ich bin auch Betroffener, wie viele Tausende andere, die schlimme Erfahrungen mit der Einnahme und/oder dem Absetzen von Antidepressiva gemacht haben und noch immer machen, die Sie zur Behandlung empfehlen.

Ich habe Ihre Publikation Krankheitsbild Depression aufmerksam studiert, in der Sie dieses gut erklären und auch auf die psychosozialen Faktoren eingehen. In den meisten Punkten stimmen wir überein. Es ist möglich, dass einige Informationen, die ich Ihnen mitteile, bei Ihnen kognitive Dissonanzen auslösen, weil diese nicht Ihren Überzeugungen entsprechen. Das ist verständlich. Bitte versuchen Sie das Folgende möglichst ohne zu bewerten zu lesen und verstehen Sie es nicht als Vorwurf sondern als wichtigen Beitrag Ihre bisherigen Überzeugungen zu hinterfragen.

Ich möchte Sie auf einige falsche Annahmen aufmerksam machen, wie sie sich leider noch immer hartnäckig in Psychiatrie und Öffentlichkeit halten und an denen auch Sie festhalten, obwohl diese mittlerweile wissenschaftlich widerlegt wurden. Dazu hat die DGSP das wichtige Positionspapier »Annahmen und Fakten: Antidepressiva« publiziert, in dem der Ausschuss Psychopharmaka der DGSP den allgemeinen Annahmen die wissenschaftlichen Fakten bzgl. Depressionen und Antidepressiva gegenüberstellt und Gesundheitspolitik und Krankenkassen sowie die Leistungserbringer und ihre Fachverbände zu einem Umdenken auffordert.

Bitte studieren Sie das Positionspapier und beachten Sie auch die wichtige Ergänzung zum Thema persistent postwithdrawal disorders (hartnäckige dem Entzug folgende Beschwerden)

Auf Ihrer Website behaupten Sie in den FAQ (Häufig gestellte Fragen) Folgendes zur Frage:

Machen Antidepressiva abhängig?

Nein, Antidepressiva machen nicht abhängig. Es gibt Schlaf- und Beruhigungsmittel, die ein Abhängigkeitspotential besitzen, aber dies betrifft nicht die Antidepressiva. Zudem sind insbesondere die neueren Antidepressiva sehr verträglich und nebenwirkungsarm.

Dies entspricht nicht den neuesten wissenschaftlichen Studien. Antidepressiva können körperlich abhängig machen. Ich zitiere aus dem Positionspapier der DGSP:

Es ist eindeutig, dass die Patienten körperliche Entzugserscheinungen beim Absetzen der Medikamente erleiden können. Hauptstreitpunkt der Debatte ist das nicht vorhandene drogensuchende Verhalten bei Nutzern von Antidepressiva. Ob dies eine Rechtfertigung für den Nichtgebrauch des Wortes Abhängigkeit darstellt, darf bezweifelt werden.

Ich halte es für sehr wichtig darüber aufzuklären, da es immer mehr Betroffene gibt, die insbesondere nach Langzeiteinnahme (länger als ein halbes Jahr) ihr Antidepressivum nur sehr schwer und über einen sehr langen Zeitraum (bis zu mehreren Monaten oder Jahren) und nur unter sehr schweren Entzugssymptomen, die schlimmer sein können, als die Depression selbst, oder häufig sogar gar nicht mehr absetzen können. Hierzu gibt es sogar eine eigene Indikation, das »SSRI-Absetzsyndrom«. Nicht wenige nehmen sich deshalb das Leben.

Ich selbst versuche seit 2013 Paroxetin ( »SSRI-Antidepressiva«) abzusetzen, das mir ohne mich über die schon damals bekannten Risiken und Nebenwirkungen und das hohe Abhängigkeitspotenzial aufzuklären, verschrieben wurde. Ich habe inzwischen 8 gescheiterte Entzugsversuche hinter mir, durch die sich viele physische und psychische Entzugssymptome manifestiert haben, die ein normales Leben nicht mehr möglich machen. Ich bin erwerbsunfähig und gehe durch die Hölle. Ich werde auf die selektiven Antidepressiva, zu denen neben den »SSRI-Antidepressiva« auch die »SNRI-Antidepressiva« (»Selektive-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer«) zählen, in diesem Beitrag immer wieder eingehen und alles, was auf die SSRI zutrifft, gilt auch für die SNRI.

Eine neue Übersichtsstudie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Antidepressivaentzugssymptomen bisher deutlich unterschätzt wurde und die bisherigen Behandlungsleitlinien nicht ausreichend sind. Die Studie konnte zeigen, dass

  • Entzugssymptome beim Reduzieren und Absetzen von Antidepressiva durchschnittlich bei 56 % der Patienten auftreten;
  • bei 46 % davon sind die Symptome schwerwiegend.
  • Je länger die Einnahme dauert, desto wahrscheinlicher treten Entzugssymptome auf.
  • Die Zahl der Langzeiteinnahmen steigt. Etwa 50% der Betroffenen nahmen Antidepressiva mindestens 2 Jahre lang ein.
  • Entzugserscheinungen können Wochen, Monate, schlimmstenfalls sogar Jahre anhalten.
  • 30% aller Befragten konnten auf unbestimmte Zeit ihrer Arbeit wegen der Entzugserscheinungen nicht mehr nachgehen.
  • Mehrere Patientenerhebungen zeigten wenig ärztliche Unterstützung trotz häufiger schwerer Entzugssymptome.
  • Die Behandlungsleitlinien in den USA und England sind nicht ausreichend und müssen überarbeitet werden. Das gilt auch für die deutschen Behandlungsleitlinien.

A systematic review into the incidence, severity and duration of antidepressant withdrawal effects: Are guidelines evidence-based?

In der Ausgabe 12/2019 der Fachzeitschrift NeuroTransmitter des »Berufsverbandes deutscher Nervenärzte« (BVDN) ist dazu ein Artikel erschienen. Bitte sehen Sie sich die Studie an und lesen Sie den Artikel.

Die komplette Ausgabe des NeuroTransmitters 12/2019 gibt es hier als PDF.

Auf der Website des »Landesnetzwerks Selbsthilfe seelische Gesundheit e.V.« (NetzG-RLP e.V.) lässt sich ein Aufklärungsbogen zu Antidepressiva in normaler und leichter Sprache abrufen. Ich halte diesen Aufklärungsbogen für sehr wichtig, da Patienten bei Neuverschreibung eines Antidepressivum meist gar nicht oder nicht ausreichend über die Risiken und Nebenwirkungen von Antidepressiva aufgeklärt werden, auch das ist ein Ergebnis dieser Studie. Daher wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie diesen ebenso wie das Positionspapier der DGSP auf Ihrer Website zum Herunterladen anbieten würden:

Aufklärungsbogen Antidepressiva

Leider entspricht es auch nicht den Tatsachen, dass die selektiven Antidepressiva nebenwirkungsarm sind. In den FAQ behaupten Sie zur Frage:

Verändern Antidepressiva die Persönlichkeit?

Nein, im Gegenteil. Depressionen können zu einer Wesensänderung führen. Antidepressiva helfen nur, den normalen Zustand, wie er vor der Depression war, wiederherzustellen.

Bereits 2004 warnte die »US Food and Drug Administration« (FDA), die auch für die Zulassung neuer Medikamente in den USA zuständig ist, davor, dass selektive Antidepressiva, wie die »SSRI-Antidepressiva« Angst, Erregungszustände, Panikattacken, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Feindseligkeit, Impulsivität, Akathisie (starke Ruhelosigkeit), Hypomanie (abnormale Aufgeregtheit) und Manie (Psychose, charakterisiert durch übersteigerte Gefühle, Größenwahn) verursachen können.1

Es gibt etwa 6000 dokumentierte Fälle von Gewalttaten und Suiziden von Menschen, die »SSRI-Antidepressiva« einnahmen und täglich werden es mehr.2

Es konnte nachgewiesen werden, dass diese Antidepressiva Verhaltensänderungen wie Reizbarkeit, Feindseligkeit, Impulsivität und Manie auslösen, die wiederum zu Gewalttaten oder Suizid führen können. Medizinische Studien zeigen, dass sich bei Patienten, die keinerlei gewalttätige Vergangenheit haben, unter dem Einfluss von Psychopharmaka, »eine von Gewalt geprägte Angriffslust« entwickelt.3

Leseempfehlungen:

German Wings Pilot nahm SSRI-Antidepressivum Escitalopram

Der Psychiater Dr. David Healy zum »Medikamentenaspekt« des Amokflugs 4U95254 (Germanwings) und bei Amokläufern.

Original-Beitrag auf dem Blog von David Healy

Dr. Peter Breggin, Violence Caused by Antidepressants: An Update after Munich

(Lies den Beitrag in deutsch)

Diese »Nebenwirkungen« werden von der Pharmaindustrie bisher erfolgreich verschwiegen.

Dies sind tief greifende Persönlichkeitsveränderungen. Ich selbst habe solch eine Persönlichkeitsveränderung bei einem Entzugsversuch erlebt. Ich wurde aggressiv und feindselig jedem gegenüber und war nicht mehr ich selbst. Erst als ich den Entzug abbrach, verschwanden diese Symptome wieder. Studien und Fakten zu diesem Thema sind so erdrückend, dass sie nicht länger ignoriert werden dürfen. Es geht um Menschenleben, um die Sicherheit und Freiheit unserer Gesellschaft. Es geht aber auch darum, Menschen mit psychischen Krankheiten nicht pauschal zu potenziellen Gewalttätern und rücksichtslosen Selbstmördern zu machen, wenn die Krankheit gar nicht dafür verantwortlich ist, sondern die Medikamente, die sie einnehmen.

Dieses Verhalten wird häufig durch Akathisie ausgelöst, einer extremen inneren und körperlichen Ruhelosigkeit und Anspannung, einem Gefühl aus der eigenen Haut fahren zu wollen und nicht zu können. Akathisie ist eine bekannte Nebenwirkung sowie eines der schwerwiegendsten Entzugssymptome von »SSRI-Antidepressiva«. Bitte informieren Sie sich darüber.

Nachfolgend ein Video der »Medication-Induced Suicide Prevention and Education Foundation« (MISSD), die im Gedenken an Stewart Dolin von seiner Frau Wendy Dolin gegründet wurde, der sich aufgrund von Akathisie ausgelöst durch die Einnahme des SSRI-Antidepressivums Paroxetin, das ihm von seinem Arzt wenige Tage zuvor verschrieben wurde, das Leben nahm.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ER4JGnRssSk | Sprache: Englisch | Länge: 2:16 Minuten.

Eine der häufigsten Nebenwirkungen von SSRI ist, dass Menschen keinen Orgasmus mehr haben können oder nur eine stark abgeschwächte Form, d.h. minimale Empfindung und somit auch ein Verlust der Intensität. Bei Männern kann es zur Impotenz kommen und anders, als im Beipackzettel behauptet, kann diese Nebenwirkung zu einer Folgeerkrankung werden, d.h. selbst nach absetzen des SSRI bleiben Männer impotent und Frauen können keinen Orgasmus mehr bekommen. Bei Männern führen SSRI häufig dazu, dass sie nicht mehr ejakulieren können, weshalb SSRI sogar oft von Ärzten bei vorzeitigem Samenerguss verschrieben werden. Das ist extrem schlimm, ich selbst gehöre zu den Betroffenen. Ein erfülltes Sexualleben gehört zu den wichtigsten Grundbedürfnissen des Menschen, so wie Essen und Trinken.

Die Anthropologin Helen Fisher warnte bereits 2005 vor einer dauerhaften Einnahme von Antidepressiva und erklärte, diese würden das Entstehen von Liebe verhindern.

»Depression-heute«.de hat dazu einen lesenswerten Beitrag publiziert, in dem auch Studien dazu erwähnt werden. Bitte lesen Sie den Beitrag:

Antidepressive Medikamente und gestörte Sexualität

In Ihrer Publikation Krankheitsbild Depression behaupten Sie unter dem Punkt Ursachen einer Depression:

Auf der einen Seite gibt es biologische Komponenten. Hierzu gehören eine genetische Veranlagung, eine Dysbalance verschiedener Nervenbotenstoffe in bestimmten Hirnarealen […]

Unter dem Punkt Behandlung einer Depression behaupten Sie:

In Kombination mit Psychotherapie sollten insbesondere bei mittelschweren und schweren Depressionen auch Medikamente, sogenannte Antidepressiva, zum Einsatz kommen, die die Stimmung aufhellen und den Antrieb normalisieren. Vor allem die neueren Antidepressiva, die sehr gezielt (selektiv) auf bestimmte Botenstoffe in bestimmten Hirngebieten wirken, sind nebenwirkungsarm und daher gut verträglich.

Bis heute gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Depressionen genetische Ursachen haben. Die These, dass ein biochemisches Ungleichgewicht von Botenstoffen wie Serotonin im Gehirn Ursache einer Depression ist, dass durch die Gabe von Antidepressiva beseitigt wird, wurde wissenschaftlich widerlegt.

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass SSRI-Antidepressiva überhaupt eine Wirkung bei Depressionen haben.

Im Gegenteil: 2009 veröffentlichte der Harvard-Professor Irving Kirsch seine Studien zum »Placeboeffekt« von modernen Antidepressiva.

Sein Ergebnis: Vielen Patienten ging es nach der Behandlung zwar besser, allerdings war es in den meisten Fällen egal, ob sie ein echtes Mittel oder eine Zuckertablette geschluckt hatten.4

Placebo Effect in the Treatment of Depression and Anxiety. Kirsch Irving. (2019, englisch)

Antidepressants and the Placebo Effect. Kirsch Irving. (2014, englisch)

Zusammenfassung der Ergebnisse der Placebostudien von Kirsch in Unglück auf Rezept: Die Antidepressivalüge und ihre Folgen von Peter und Sabine Ansari

Eine neue Übersichtsstudie aus dem Jahr 2018 des unabhängigen »Nordic Cochrane Centre« bestätigt die Ergebnisse von Irving Kirsch. Es wurden 522 klinische Untersuchungen mit 116.477 Teilnehmern ausgewertet. Das Ergebnis fasst der Leiter der Studie, Dr. Klaus Munkholm, folgendermaßen zusammen:

Was wir herausgefunden haben ist folgendes: Die Wirkung von Antidepressiva und Placebo unterscheidet sich nur um 1,97 Punkte auf einer Skala von 52 Punkten. Dieser Unterschied ist minimal.

Eine Verbesserung um nur 1,97 Punkte auf der »Hamilton-Skala« ist eine so minimale Verbesserung der Depression, dass sie von einem Arzt nicht festgestellt werden kann.

Considering the methodological limitations in the evidence base of antidepressants for depression: a reanalysis of a network meta-analysis (englisch)

Beitrag Schweizer Fernsehen: Antidepressiva nicht besser als Placebo von depression-heute.de zur Übersichtsstudie des Nordic Cochrane Centre (deutsch)

Antidepressiva haben tatsächlich eine starke Wirkung auf den Botenstoff Serotonin, aber nicht so, wie von Pharmaindustrie und Psychiatrie propagiert.

Im Gegenteil: Insbesondere bei Langzeiteinnahme (länger als ein halbes Jahr) führen Antidepressiva erst zu einem biochemischen Ungleichgewicht, einem sogenannten »Serotonin-Defizit-Syndrom«, da sie den Serotoninspiegel im Körper stark senken. Dies kann man labortechnisch diagnostizieren. Ich betone im Körper, denn im Gehirn ist dies nicht möglich (hier stellt sich die Frage, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, dass bei einer Depression ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn existiert, wenn man dies gar nicht messen kann?), allerdings wird das meiste Serotonin (95%) im Körper, genauer im Darm produziert, nur 5% im Gehirn. Ich verweise hier auf die wissenschaftlichen Arbeiten von Professor Alexander Römmler zum »Serotonin-Defizit-Syndrom«:

Das Serotonin-Defizit-Syndrom: Wie moderne Antidepressiva den Serotoningehalt im menschlichen Körper negativ beeinflussen

Die folgende Abbildung zeigt den Gehalt von Serotonin im Blutspiegel in verschiedenen Personengruppen: gesunde Erwachsene (Säule 1), Patienten mit Depressionen und gleichzeitig niedrigen (Säule 2) oder normalen (Säule 3) Serotoninspiegeln, Patienten unter SSRI‑Antidepressiva (Säule 4)

Blutspiegel von Serotonin in verschiedenen Personengruppen: gesunde Erwachsene (Säule 1), Patienten mit Depressionen und gleichzeitig niedrigen (Säule 2) oder normalen (Säule 3) Serotoninspiegeln, Patienten unter SSRI‑Antidepressiva (Säule 4).

MW = Mittelwert, SD = Standardabweichung, PS = „peripheres“ System, RB = Referenzbereich,
SSRI = selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren, V.a. = Verdacht auf, ZNS = zentrales Nervensystem (modifiziert
nach [132]). Quelle: »Hormone – Leitfaden für die Anti-Aging Sprechstunde«, Serotonin-Defizit-Syndrom – eine praxisrelevante Entität von Alexander Römmler

Ich werde dieses Schreiben an Sie als Beitrag auf meinem Blog veröffentlichen. Daher bitte ich Sie um eine Stellungnahme zu den falschen Aussagen, die Sie treffen. Der Blog hat seit Gründung im Jahr 2018 über 300.000 Seitenaufrufe gehabt. Täglich erhalte ich E-Mails von Betroffenen, die nicht mehr weiter wissen, weil Ärzte ihnen keinen Glauben schenken.

Ich würde mich freuen, wenn Sie die Aussagen, die auf falschen Annahmen beruhen in Ihrer Publikation und den FAQ korrigieren würden und die genannten Publikationen zum Download anbieten würden. Um sich das Ausmaß dieser Problematik ein Mal bewusst zu machen, würde ich Sie bitten, sich das »Antidepressiva-Forum-Deutschland« (ADFD), ein Forum von Betroffenen für Betroffene anzusehen. Ich war dort einige Zeit tätig.

Ich engagiere mich seit Jahren, ebenso wie »depression-heute.de« und das »ADFD« damit das Leid von uns Betroffenen, die schlimme Erfahrungen mit der Einnahme und/oder dem Absetzen von Antidepressiva gemacht haben und machen gesehen wird und nicht länger geleugnet wird. Die wissenschaftlichen Fakten sind erdrückend, dennoch ignorieren uns die beiden Selbsthilfeorganisationen, die »Stiftung Deutsche Depressionshilfe« und die »Deutsche DepressionsLiga e. V.«, auch bekannt als »Bündnis gegen Depression« beharrlich.

Auch dort wird nicht über die Risiken und Nebenwirkungen von Antidepressiva aufgeklärt, was meiner Meinung nach die Aufgabe solcher Organisationen wäre, zumal beide für sich in Anspruch nehmen, die Interessen ALLER Menschen mit Depressionen gegenüber Politik und in der Öffentlichkeit zu vertreten, was beide faktisch nicht tun, solange sie uns Betroffene ignorieren und unsere schlimme Erfahrungen leugnen, ja sie stigmatisieren uns obwohl sie sich für die Entstigmatisierung von Depressionen einsetzen. Ich habe mich intensiv mit beiden Organisationen ausgetauscht. Sie finden mehrere Beiträge auf meiner Website, die zeigen, das es keine Bereitschaft zur Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen von Antidepressiva gibt und auch kein Wille uns eine Stimme zu geben, damit wir in der Öffentlichkeit endlich wahrgenommen werden.

Die Selbsthilfe-Organisation »Stiftung Deutsche Depressionshilfe« verschweigt in ihren Publikationen die Risiken und Nebenwirkungen durch SSRI-Antidepressiva

Die Deutsche DepressionsLiga e.V. verharmlost weiterhin die Risiken und Nebenwirkungen von Antidepressiva und mobbt andersdenkende Mitglieder

Nachdem ich Betroffene dazu aufgerufen hatte die Facebook-Seite der Stiftung zu bewerten (Nicht-Empfehlung) aufgrund der Erfahrungen, die sie mit der Einnahme und/oder dem Absetzen von Antidepressiva gemacht haben und daraufhin immer mehr dies auch gut begründet taten, schaltete die Stiftung die Bewertungsfunktion ganz aus. Damit wurden auch alle positiven Bewertungen gelöscht. Das zeigt, dass es der Stiftung nicht um eine faire Bewertung geht sondern um Meinungshoheit, man akzeptiert keine andere Meinung, als die eigene. Ich habe die Stiftung in einem Beitrag damit konfrontiert:

Stiftung Deutsche Depressionshilfe stigmatisiert und zensiert Betroffene

Wenn Sie sich von diesen Organisationen haben beraten lassen, wundern mich die getroffenen falschen Aussagen nicht. Beide Organisationen behaupten, sie seien pharmaunabhängig, das ist leider nicht so. Der Begründer und 1. Vorsitzender der Stiftung, Prof. Ulrich Hegerl, berät nachweislich Pharmahersteller, hält für diese Vorträge und kassiert dafür Honorare. Das ist nur ein Fall, der veröffentlicht wurde, aber wie viele wurden nicht öffentlich gemacht? Das sollte jedem zu denken geben.

Die »DGSP« und ich bestreiten nicht, dass diese Medikamente ganz vielen Menschen helfen, aber die Wirkung erfolgt eben fast ausschließlich über den Placeboeffekt und bei sorgfältiger Risiken-Nutzen-Abwägung stehen Nutzen und Risiken in keinem verantwortungsvollen Verhältnis zueinander.

Auch sind die verschriebenen und empfohlenen Dosen bei den »SSRI-Antidepressiva« viel zu hoch. Das zeigt die folgende Grafik. Bereits bei 20mg sind mehr als 80% der Rezeptoren belegt, die das Serotonin aufnehmen (die Blockade der Rezeptoren soll das Gehirn dazu zwingen mehr Serotonin zu produzieren, daher die Bezeichnung »SSRI: Selektive-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer« aber das geschieht nicht, das Gehirn tut genau das, was logisch ist, es stellt seine Produktion von Serotonin ein). Höhere Dosen belegen nur wenige Rezeptoren mehr.

Darstellung der Rezeptorenbelegung bei SSRI-Antidepressiva

© Meyer, Wilson, Sagrati, ET AL.

Oft werden Antidepressiva vom Arzt mit den Worten: Die müssen Sie Ihr ganzes Leben lang einnehmen, verschrieben. Viele Ärzte ziehen den Vergleich zu einem Diabetiker, der auch auf sein Insulin angewiesen sei, weil Sie glauben, bei ihrem Patient würde ein biochemisches Ungleichgewicht im Gehirn existieren, dass Antidepressiva beseitigen, was nicht den Tatsachen entspricht. Beides ist für das spätere Absetzen fatal, denn

je länger Antidepressiva eingenommen werden und umso höher die Dosen sind, um so schwieriger und länger wird der Entzug.

Antidepressiva sollten daher nur bei schweren Depressionen, nur kurze Zeit (nicht länger als ein halbes Jahr) und in geringeren Dosen, als bisher verschrieben werden.

Wir Betroffenen wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns und unser Leid sehen würden und uns glauben würden und in Ihren Publikationen auch auf die Risiken und Nebenwirkungen von Antidepressiva und deren geringe Wirksamkeit aufmerksam machen würden, damit es von uns nicht immer mehr gibt. Ich war 2x von Benzodiazepinen abhängig (hier ist die körperliche Abhängigkeit bekannt und wird im Beipackzettel erwähnt) und habe diese 2 x erfolgreich abgesetzt, es war extrem schwer, aber gegen den Antidepressivaentzug, den ich jetzt seit 2013 probiere und bei dem ich mehrfach gescheitert bin, waren diese das reinste Kinderspiel. Das kann ich nicht anders sagen.

Das, was gerade mit den Antidepressiva geschieht, ist exakt das, was mit den Benzodiazepinen geschah, die galten auch lange als Wundermittel und die Abhängigkeit wurde jahrzehntelang geleugnet.

Diese Geschichte wiederholt sich gerade mit den Antidepressiva.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und erwarte Ihre Stellungnahme, die ich dann auch hier veröffentlichen darf. Ich möchte Sie auch noch auf den Beitrag von »depression-heute.de« bzgl. Ihrer App aufmerksam machen, die diese getestet haben:

Die EnkeApp ist nicht hilfreich

Fußnoten
1., 3. »Worsening Depression and Suicidality in Patients Being Treated with Antidepressant Medications«, Gesundheits- Informationsbulletin der FDA, 22. März 2004.
2. http://SSRIstories.org/
4. ZEITmagazin Nr. 25/2016, Julia Friedrichs und Thorsten Padberg »Depressionen: Aus dem Schatten ans Licht«

Aloha*

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Das bin ich: Blogger, Webdesigner und Künstler. In diesem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit der Heilkraft der buddhistischen Psychologie und dem Absetzen von Psychopharmaka. Ich gebe wertvolle Tipps und zeige einen erfolgreichen Weg aus der Psychopharmaka-Falle durch das A-B-S-Konzept.

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