Natürliche Nährstofftherapie© ronstik | »spoon with dietary supplements on fruits background« | shutterstock.com

Natürliche Nährstofftherapie zur Behandlung von Depressionen und Entzugssymptomen

Zunehmend an Bedeutung in der Behandlung von Depressionen, wie auch vielen anderen Erkrankungen, gewinnt die »Nährstofftherapie«. Diese umfasst sowohl die »orthomolekulare Therapie« als auch die medizinische Ernährungstherapie. Orthomolekular bedeutet übersetzt die Einnahme der richtigen (ortho-) Moleküle oder Substanzen. Hier ein Überblick über mögliche Nährstoffe, die zur Heilung einer Depression beitragen können und auch bei Entzugssymptomen helfen können.

Warnung:

Beim Entzug von Psychopharmaka kann alles, was man zusätzlich einnimmt, um Entzugssymptome zu mildern, wie die hier empfohlenen Nährstoffe auch triggern, das heißt den Entzug bzw. bestimmte Entzugssymptome verstärken. Es ist unmöglich zu sagen, für wen was wann geeignet ist. Ein Entzug ist stets individuell und gleicht einem Try and Error Verfahren (Versuch und Irrtum). Grundsätzlich können Nährstoffe helfen, welche wem helfen, das muss man selbst herausfinden. Verträgt man etwas nicht, sollte man es nicht weiter nehmen. In jedem Fall sollte eine Nährstofftherapie immer durch einen erfahrenen Nährstoffexperten auf Basis von Laborbefunden durchgeführt werden. Bitte beachte auch die Gefahr des Serotoninsyndroms. Was das ist, wie es entsteht und woran man es erkennt, steht im entsprechenden Abschnitt.

Was sind Nährstoffe?

Zu den Nährstoffen zählen alle körpereigenen Stoffe, wie

  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Spurenelemente
  • Hormone
  • Fettsäuren
  • Aminosäuren

Was ist Nährstofftherapie?

Die »orthomolekulare Medizin« (Nährstofftherapie) umfasst die Vorbeugung vor Erkrankungen, Behandlung von Risikofaktoren und Therapie von bereits vorhandenen Beschwerden. Die Definition dieser Therapierichtung stammt vom 2-fachen Nobelpreisträger (Frieden und Chemie) Linus Pauling:

Orthomolekulare Medizin dient der Erhaltung guter Gesundheit wie auch der Behandlung von Krankheiten, indem die Konzentrationen körpereigener, für die Gesundheit wichtiger Substanzen verändert werden.

Es bedeutet, dass man körpereigene Stoffe einsetzt, um Gesundheit zu erhalten bzw. wiederherzustellen oder Krankheit zumindest zu lindern. In der Regel können wir alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge über die richtige Ernährung aufnehmen. Dennoch gibt es bestimmte Nährstoffe, die aus unterschiedlichen Gründen, z.B. bestimmte Erkrankungen nicht oder nicht ausreichend genug über die Nahrung aufgenommen werden können.

Dazu zählen auch Depressionen bzw. das »Burn-out-Syndrom«.

Die Gabe von zusätzlichen Nährstoffen erfolgt in der Regel in der Form von sogenannten »Nahrungsergänzungsmitteln«, die nicht verschreibungspflichtig sind und deren Kosten somit auch nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Im Folgenden werde ich zeigen, welche Stoffe das sind und welche Bedeutung sie haben. Alle Empfehlungen stammen aus dem Grundlagenwerk Nährstofftherapie – Orthomolekulare Medizin in Prävention, Diagnostik und Therapie von Dr. med. Volker Schmiedel, das ich ebenfalls sehr empfehlen kann. Das Buch bietet einen klaren Überblick über

  • eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung
  • wichtige Nahrungsmittel und deren Nährstoffgehalt
  • die Bedeutung der Ernährungstherapie
  • Einflüsse auf Gehalt und Aufnahme der Nährstoffe
  • alle wichtigen Nährstoffe

Dazu enthält es konkrete Empfehlungen zur kombinierten Nährstofftherapie bei bestimmten Erkrankungen, wie Depressionen, »Burn-out-Syndrom« und Schlafstörungen.

Wichtig: Vor jeder Einnahme von Nährstoffen in Form von »Nahrungsergänzungsmitteln« sollte eine Labordiagnostik erfolgen, um festzustellen, ob überhaupt ein Nährstoffmangel vorliegt. Der Sinn einer guten Nährstofftherapie ist es nicht, Nährstoffe in Form von »Nahrungsergänzungsmitteln« einfach ohne Befund einzunehmen. Bei manchen Erkrankungen kann das sogar schaden. Ich empfehle eine solche Therapie daher bei einem erfahrenen und qualifizierten Arzt durchzuführen, da diese Therapie komplex ist. Diese Ärzte arbeiten ausschließlich auf Privatbasis, kein Kassenarzt kann diese Untersuchungen, die erforderliche und umfangreiche Labordiagnostik leisten, das sprengt sein Budget. Hier müsste ein Umdenken bei den Krankenkassen stattfinden.

Wo finde ich einen Experten?

Eine Möglichkeit einen qualifizierten Arzt zu finden ist die Website der »Deutsche Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin e. V.« (GSAAM). Der Arzt sollte idealerweise eine Zertifizierung haben (erkennbar an den Symbolen).

GSAAM Arzt-Suche

Nach einem Arzt kannst Du auch auf der Website von »Neurolab« suchen:

Neurolab Therapeutenfinder

Empfehlungen zur Nährstofftherapie

Die folgenden Empfehlungen zur Nährstofftherapie beziehen sich ausschließlich auf Depressionen und das »Burn-out-Syndrom«. Alle Empfehlungen sind aus dem Buch von Dr. Schmiedel. Ich liste hier nur die Nährstoffe auf, die zu beachten sind. Empfehlungen über die Dosierung oder zur Messung kannst Du dem Buch entnehmen und hängen vom Laborbefund und der Ausprägung der Erkrankung ab. Überlasse dies bitte einem kompetenten und erfahrenen Arzt.

Grundlage: Optimaler Vitamin-D-Spiegel

In Ihrem Buch Nahrungsergänzung für hochsensible Menschen Wie Du die Reizschwelle deiner Nerven in 3 Schritten erhöhst und im Alltag deutlich leistungsfähiger bist, beschäftigt sich Dr. phil. Anne-Barbara Kern mit der Behandlung von Hochsensiblen mit Nährstoffen wie Aminosäuren, Vitaminen und Heilpflanzen. Es werden die einzelnen Aminosäuren und Heilpflanzen vorgestellt, Empfehlungen zur Behandlung und Dosierung gegeben sowie Wechselwirkungen und Gegenanzeigen aufgezeigt. Ich kann das Buch sehr empfehlen. Darin wird erklärt, warum ein optimaler Vitamin-D-Spiegel Grundlage für eine erfolgreiche Nährstofftherapie ist:

Vitamin D: Die Basis für eine erfolgreiche Nährstofftherapie

Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet, denn dieses Vitamin wird nicht bzw. nur in kleinen Mengen über die Ernährung aufgenommen, sondern durch Sonneneinstrahlung auf die Haut gebildet.

Die Basis für eine erfolgreiche Nährstofftherapie mit Aminosäuren ist ein optimaler Vitamin D-Spiegel. Aminosäuren sind oft Vorstufen von Botenstoffen, so wird z.B. die essentielle Aminosäuren Tryptophan im Körper zu 5-http (5-Hydroxytryptophan) umgebaut, aus dem dann der Botenstoff Serotonin gebildet wird und benötigen Vitamin D, um in die entsprechenden Botenstoffe umgewandelt werden zu können.

Solltest Du bereits Aminosäuren einnehmen und keine bzw. kaum eine Wirkung haben, kann das daran liegen, dass der Vitamin D-Spiegel zu niedrig ist.

Symptome eines Vitamin-D-Mangels sind Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Energieverlust, Abgeschlagenheit, Depression, unruhiger Schlaf, hoher Schlafbedarf, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Infektanfälligkeit. Es ist also wichtig diesen Mangel möglichst schnell zu beseitigen.

Messung: Vitamin D wird im Blut gemessen und kostet etwa 30 Euro.

Der Vitamin-D-Spiegel sollte bei Gesunden über 50ng/ml bzw. über 125 nmol/l liegen, chronisch Kranke sollten ihn auf 80 ng/ml einstellen. Neuere Forschungen weisen daraufhin, dass aucch Gesunde einen Spiegel von 80ng/ml anstreben sollten.

Liegt der Spiegel unter dem optimalen Bereich wird zunächst eine 10tägige Kur mit hochdosierten Vitamin D gemacht, damit der Spiegel schnell auf das gewünschte Level ansteigt. Wichtig ist, dass das gewählte Präparat mindestens 5.000 i.e pro Tablette/Kapsel enthält.

Mit der Nachkontrolle des Vitamin D-Spiegels sollte man nach der Anfangstherapie sechs Wochen warten.

Ist der Vitamin-D-Spiegel dann im Normbereich wird nur noch eine Erhaltungsdosis benötigt. Die Vitamin-D-Anfangsdosis für die 10tägige Kur sowie die spätere Erhaltungsdosis kannst Du mit dem folgenden kostenlosen Vitamin-D-Rechner berechnen. Dazu benötigst Du den Laborwert und Dein Gewicht. Was es dabei zu beachten gilt, wird auf der Website erklärt:

kostenloser Online-Vitamin-D-Bedarfsrechner

Die Aktivierung von Vitamin D benötigt außerdem ausreichend Magnesium. Daher sollte man 2-3 x täglich 100mg Magnesium einnehmen.

Da Magnesium in höheren Dosen abführend wirken kann, wird wenn Du zu Verstopfung neigst Magnesiumcitrat empfohlen. Wer zu Durchfall neigt oder einen empfindlichen Darm hat, der sollte Magnesiumchelat einnehmen, das sehr gut verträglich ist.

Wenn man Vitamin D einnimmt, erhöht sich die Aufnahme von Kalzium aus der Nahrung. Deswegen sollte man Vitamin D stets in Kombination mit Vitamin K einnehmen. Vitamin K verhindert die Verkalkung weicher Gewebe und wirkt drohenden Überlastungen mit Kalzium entgegen. Die empfohlene Dosis von Vitamin K liegt bei 100 qg. Am besten nimmst Du daher ein Kombipräparat aus Vitamin D + K.

Das gleiche gilt für Phosphat – auch hier kann es leicht zu einer Überlastung des Organismus kommen, weil freies Phosphat durch eine Vitamin D-Therapie größtenteils aufgenommen wird. Daher sind Nahrungsmittel zu meiden, denen Phosphat zugesetzt wurde, wie z.b. Cola, Süßgetränke oder Schmelzkäse und viele Fertigsuppen, -soßen usw.

Vitamin D wird in der Regel gut vertragen. Dennoch kann es bei der hochdosierten 10tägigen Anfangsdosis zu einer Unverträglichkeit kommen. Dann sollte man die Anfangstherapie verdoppeln, also zwanzig statt zehn Tage, die Dosierung des Vitamin D dafür halbieren.

Quelle: Dr phil. Anne-Barbara Kern Nahrungsergänzung für hochsensible Menschen Wie Du die Reizschwelle deiner Nerven in 3 Schritten erhöhst und im Alltag deutlich leistungsfähiger bist

Dies soll nur eine Übersicht sein, die aufzeigt, worauf Du achten solltest.

Vorteilhafte Nährstoffe bei »Burn-out-Snydrom«

Falsche Ernährung und Nährstoffmangelzustände sind nicht die Hauptursache des »Burn-out-Syndroms«, können es aber verstärken.

  • Omega-3-Fettsäuren verbessern den Schlaf, modulieren das vegetative Nervenssystem und erhöhen die Resilienz.
  • Ein Magnesium-Defizit kann Erschöpfung verursachen und die Stressresistenz herabsetzen. Eine neue Studie belegt, dass Magnesium eine bessere antidepressive Wirkung hat als Antidepressiva.
  • Eisenmangel ist eine der häufigsten Ursachen für Erschöpfung. Gemessen wird hier das Speichereisen Ferritin.
  • Kalium
  • Vitamin-D
  • Folsäure
  • Vitamin B-12
  • Taurin ist ein Aminosäurederivat, welches die Energie deutlich verbessern kann.
  • Karnitin
  • Q10

Vorteilhafte Nährstoffe bei Depressionen

Bei Depressionen seelisch stabilisierend wirken:

  • Omega-3-Fettsäuren haben sich in Interventionsstudien als eindeutig antidepressiv erwiesen.
  • Magnesium
  • die Vitamine B1, B6, B12 (am besten als Vitamin-B-Komplex)
  • Vitamin D

Wenn der Verdacht auf einen Serotonin-Mangel ( »Serotonin-Defizit-Syndrom«) besteht (z.B. zusätzlich Durchschlafstörungen, »Süßhunger«), sind besonders gute Erfolge bei leichten bis mittelschweren Depressionen zu erzielen mit:

  • Tryptophan, alternativ 5-HTP
  • Zink
  • Vitamin B6
5-HTP (5-Hydroxytryptophan)

Die folgenden Empfehlungen sind aus dem hervorragenden Buch Was die Seele essen will – Die Mood Cure von Julia Ross. Das Buch basiert auf fundierten wissenschaftlichen Studien, die zeigen, wie wir durch natürliche Nahrungsergänzungsmittel und eine nährstoffreiche Ernährung Depressionen und Ängste wirksam behandeln können ohne die zum Teil gefährlichen und schweren Nebenwirkungen von »modernen Antidepressiva« ( »SSRI/SNRI-Antidepressiva«). Das Buch stellt diese Nahrungsergänzungsmittel ausführlich vor. Mit verschiedenen Fragebögen und Test findest Du heraus, an welchen Nährstoffen es Dir mangelt. Dazu bekommst Du verschiedene detaillierte Pläne, wie Du diese beseitigen kannst. Außerdem bekommst Du viele Rezepte für eine solche Ernährung. Insbesondere 5-HTP (5-Hydroxytryptophan) und Tryptophan/L-Tryptophan werden zur Behandlung eines »Serotonin-Defizit-Syndroms« eingesetzt.

Die fast sofortige Lösung für die meisten auf niedrigem Serotonin basierenden Probleme ist ein teures Nahrungsergänzungsmittel, das aus einer afrikanischen Bohne (Griffonia) hergestellt wird. Es handelt sich um 5-HTP (5-Hydroxytryptophan) und ist über das Internet erhältlich. Ihr Körper kann sein eigenes 5-HTP in Serotonin umwandeln, jedoch gibt es einen Haken: Es muss ausreichend Tryptophan aus der Nahrung zur Verfügung stehen, und es ist gut möglich, dass dies nicht der Fall ist. Wenn Sie jedoch ein 5-HTP-Präparat einnehmen, ist die Serotoninproduktion nicht länger abhängig vom Tryptophan, das Sie eigentlich aus der Nahrung bekommen, vielleicht aber auch nicht. Das bedeutet, dass Sie schnell und sogar auf natürliche Weise Ihre Serotoninvorräte auffüllen können und innerhalb von Minuten spüren werden, wie Ihr wahres emotionales Ich zurückkommt. […] 

Als ein Antidepressivum ist 5-HTP so wirksam, dass es bereits mehrfach vielen der bewährtesten Antidepressiva, einschließlich »Prozac« (»Fluoxetin«, »SSRI-Antidepressivum«), gleichkam oder diese übertraf, ohne die negativen Nebenwirkungen, die diesen Medikamenten so oft zugesprochen werden. In einer Studie von 1980 wurden 99 Patienten, die seit durchschnittlich neun Jahren stark depressiv waren, 5-HTP-Ergänzungsmittel verabreicht. Fast die Hälfte von ihnen wurde komplett geheilt, wobei der Rest erhebliche Verbesserung erfuhr […] .1

Zahlreiche andere Studien bestätigten die beachtliche Sicherheit und Wirkung von 5-HTP, sogar im Vergleich zu rezeptpflichtigen Antidepressiva:

  • Der Hersteller von »Prozac«, »Eli Lilly«, führte kürzlich eine Studie durch, in der 5-HTP mit »Prozac« kombiniert wurde. Die Serotoninaktivität wurde durch »Prozac« alleine um 150 Prozent erhöht. Nachdem 5-HTP hinzugefügt wurde, waren es 615 Prozent.
  • Es gibt Studien, in denen 5-HTP mit »Luvox« (»Fluvoxamin«, »SSRI-Antidepressivum«), einem wirksamen Antidepressivum, ähnlich wie »Prozac«, aber in Europa bekannter, verglichen wurde. Das Resultat war, dass (1) 5-HTP 68 Prozent der depressiven Patienten zu Besserung verhalf, im Vergleich zu »Luvox« mit 62 Prozent;2 (2) sowohl 5-HTP als auch »Luvox« das Depressionsniveau um 50 Prozent verbessert haben, wobei 5-HTP eine 11 Prozent geringere Ausfallrate als »Luvox« hatte.3
  • In einer anderen Studie beseitigte 5-HTP Angstsymptome in 58 Prozent der Fälle, im Gegensatz zu »Luvox« mit 48 Prozent.4
  • In Bezug auf die Nebenwirkungen verursachen »Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)«, wie »Prozac« und »Zoloft« (»Sertralin«, »SSRI-Antidepressiva«), sexuelle Dysfunktion bei 50 bis 75 Prozent der Verwender, während 5-HTP-Studien keine sexuelle Dysfunktion und nur wenige Nebenwirkungen aufzeigten.5, 6 In einer Studie hatte 5-HTP sogar weniger Nebenwirkungen als das »Placebo«!

 […] Etwa 85 Prozent unserer Dunkle-Wolke-Patienten, die 5-HTP ausprobiert haben, haben eine beachtliche Verbesserung ihrer Stimmung und Sichtweisen erfahren. Die Chancen, dass es Ihnen hilft, stehen ungeheuer gut für Sie. Allerdings funktioniert 5-HTP nicht bei jedem. Wenn Sie sich nach einer Woche mit einer Dosis von 300 mg 5-HTP am Tag nicht besser fühlen, können Sie eines der anderen hervorragenden serotoninerhöhenden Mittel verwenden, die ich als nächstes beschreibe.

Tryptophan/L-Tryptophan

Etwa 15 Prozent meiner Patienten mit Serotoninmangel brauchen Hilfe bezüglich der Nährstoffe, die über das hinausgeht, was 5-HTP bieten kann. Sie haben festgestellt, dass 5-HTP bei ihnen entweder überhaupt keine Wirkung hatte oder sie schläfrig machte, leichte Übelkeit hervorrief oder Sie in einer anderen Art und Weise unbehaglich fühlen ließ. (Beachten Sie: Falls bei Ihnen irgendwelche negativen Symptome durch das 5-HTP oder ein anderes Präparat auftreten, nehmen Sie es nicht mehr!) Wenn Sie zu den Menschen gehören, die nicht gut auf das 5-HTP reagieren, gibt es zwei ausgezeichnete Alternativen. Eine oder beide sollten für Sie genau das Richtige sein.

Die erste ist die Aminosäure, die ich schon als die einzigartige Nahrungsquelle für sowohl 5-HTP als auch Serotonin erwähnt habe. Es ist die Aminosäure Tryptophan. Sie wissen bereits, dass proteinreiche Nahrungsmittel diese sehr besondere Aminosäure enthalten, jedoch wissen Sie vielleicht nicht, dass Tryptophan ebenso als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich ist. In seiner konzentrierten Form zwischen den Mahlzeiten eingenommen wird es viel schneller umgewandelt, als wenn es aus dem Essen aufgenommen wird, wo es nicht so konzentriert enthalten ist und mit den ganzen anderen Aminosäuren im Blutkreislauf darum kämpfen muss, in Ihr Gehirn zu gelangen. Unsere Patienten haben festgestellt, dass die Tryptophan-Präparate genauso schnell wirken wie 5-HTP, und die Forschung zeigt, dass es ebenso beeindruckend ist:

Wieder und wieder haben Studien gezeigt, dass das Weglassen von Tryptophan aus unserer Ernährung den Serotoninspiegel senkt und das Auftreten von Depressionen (einschließlich Winterdepression), Schlafstörungen, Panik und Wut erhöht sowie Bulimie und Drogenabhängigkeit auslöst. Im Gegensatz dazu kann zusätzliches Tryptophan in Form von Nahrungsergänzungsmitteln den Serotoninspiegel um 200 Prozent7 erhöhen und all die Dunkle-Wolke-Probleme verhindern oder umkehren.8

Die günstigen Auswirkungen des Tryptophans auf den Schlaf sind legendär, und Studien belegen auch seine Stärke bei »PMS«9 und »Fibromyalgie«.10

Manche Psychiater möchten ihren Patienten, die auf Antidepressiva alleine nicht ausreichend ansprechen, unbedingt helfen und verabreichen zusätzlich Tryptophan, mit positiven Ergebnissen: In einer britischen Studie wurde solchen solchen Patienten Tryptophan gegeben. Daraufhin verringerten sich die depressiven Symptome plötzlich um mehr als 50 Prozent.11 In einer anderen Studie erhöhte Tryptophan, wenn es mit »Prozac« kombiniert wurde, die Schnelligkeit der antidepressiven Wirkung und ließ die Schlafstörungen verschwinden, die »Prozac« verursachte.12

Tryptophan verwandelt sich nicht nur innerhalb von Minuten in 5-HTP und dann in Serotonin (und Melatonin), es kann auch dazu verwendet werden, das wichtige B-Vitamin Nicotinsäure und viele andere wertvolle Enzyme im Körper herzustellen. […] 

Das Glücksgewächs: Johanniskraut

Neben 5-HTP und Tryptophan ist der einzige wirklich effektive Serotoninförderer, den ich kenne, das alte pflanzliche Heilmittel Johanniskraut. Ein Großteil der Forschung an Johanniskraut wurde in Deutschland betrieben, wo sich dieses Kraut als Antidepressivum besser verkauft als »Prozac«. Der Grund dafür ist, dass man herausgefunden hat, dass es genauso gut, wenn nicht sogar besser wirkt als »Prozac« und ähnliche Medikamente, dazu mit nur wenigen Nebenwirkungen:

In einer Studie, in der Johanniskraut und »Prozac« miteinander verglichen wurden, hatten die beiden die exakt gleiche Wirksamkeit. Beide verbesserten die Symptome von Depressionen um 48 Prozent.13

In einer anderen derartigen Studie, in der das Kraut mit »Prozac« verglichen wurde, sorgten beide für eine Verbesserung von etwas über 50 Prozent.14

Wir haben festgestellt, dass Johanniskraut oft dabei hilft, den Serotoninspiegel zu erhöhen, wenn es die Aminosäuren aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen. Während wir die Wirkung von Nährstoffen wie 5-HTP und Tryptophan im Gehirn kennen, ist es bei Johanniskraut, wie bei den meisten Kräutern (und den Präparaten, die häufig daraus hergestellt werden), ein Rätsel. Manchmal kombinieren wir erfolgreich Johanniskraut mit 5-HTP oder Tryptophan.

Vitamin B6 und Kryptopyrrolurie/Hämopyrrollaktamurie (KPU/HPU)

Zusätzliches Vitamin B6 kann sehr hilfreich sein, da B6 die Umwandlung von Tryptophan und 5-HTP in Serotonin ermöglicht. Das bekannteste Symptom des B6-Mangels ist schlechte oder überhaupt keine Erinnerung an Träume (oder häufige Albträume). Wenn die oben genannten Nährstoffe plus Ihrem Basis-Multivitamin- und B-Komplex helfen, jedoch Ihre Stimmungsprobleme nicht vollständig beseitigen, sollten Sie es mit zusätzlichem B6 versuchen. Für Menschen mit einem genetisch bedingten Problem der Vitamin-B6-Verwertung, »Kryptopyrrolurie/Hämopyrrollaktamurie« genannt, ist die Einnahme von zusätzlichem B6 entscheidend. Sehen Sie sich den Kryptopyrrolurie/Hämopyrrollaktamurie-Fragebogen am Ende bei den »Extra-Kapiteln« an und lesen Sie ein wenig über dieses stimmungslähmende Syndrom, das weiter verbreitet ist, als Sie denken.

Warnhinweise: Wann Aminosäuren und andere Nährstoffe nicht eingenommen werden sollten

Wichtig: Lesen Sie diese Information bezüglich der Gegenanzeigen zu Aminosäuren und anderen Nahrungsergänzungsmitteln, bevor Sie sich entscheiden, welche Nährstoffe Sie ausprobieren werden.

  • Sie sollten einen Arzt zu Rate ziehen, bevor Sie jegliche Aminosäuren einnehmen, falls Sie eine ernste physische Erkrankung haben, einschließlich hohem oder niedrigem Blutdruck, Lupus, Migräne, Leberschaden, ernstem Nierenschaden, angeborenem Aminosäuren-Stoffwechselfehler, Geschwüren oder Schilddrüsenüberfunktion; wenn Sie schwanger sind, stillen, »Methadon« oder jegliche Medikamente einnehmen, insbesondere Antidepressiva oder »MAO-Hemmer«; oder wenn Sie ernste mentale oder emotionale Probleme haben, wie beispielsweise »Schizophrenie« oder eine »bipolare Störung«.
  • Wenn Sie einen »Serotonin-Wiederaufnahmehemmer« (SSRI), wie beispielsweise »Prozac« (oder jedes andere stimmungsverändernde Medikament), einnehmen, sollten Sie sich von einem Arzt beraten lassen, bevor Sie 5-HTP, L-Tryptophan, Johanniskraut oder nehmen.
  • Wenn Sie gegen Ihre Depressionen einen »MAO-Hemmer« (inklusive »Phentermin« [in Deutschland nicht zugelassen]) einnehmen, sollten Sie Ihren Arzt fragen, ob es für Sie angemessen ist, 5-HTP, L-Tryptophan einzunehmen (eventuell nur, nachdem Sie die »MAO-Hemmer« abgesetzt haben).
  • Falls Sie »manisch-depressiv« sind (»bipolare Störung«) können 5-HTP und Tryptophan in höheren Dosen Probleme verursachen.

Quelle: Was die Seele essen will – Die Mood Cure von Julia Ross, S. 60-66 und S. 245-246

Fussnoten:
1   Van Hiele, J. J., »L-5-hydroxytryptophan in depression: The first substitution therapy in psychiatry?« Neuropsychobiology 1980; 6: 230 – 40. (Gefunden in Michael Murray’s großartigem Buch 5-HTP.)
2., 3., 4. Poldinger, W., Ph. D., »A functional-dimensional approach to depression: Serotonin deficiency as a target syndrome in a comparison of 5-hydroxytryptophan (5-HTP) and fluvoxamine.« Psychopathology 1991; 24: 53 – 81.
5.   Benkert, O., »Effect of parachlorophenylalanine and 5-hydroxytryptophan on human sexual behavior.« Monographs in Neural Sciences 1976; 3: 88 – 93.
6.   Benkert, O., »Studies on pituitary hormones and releasing hormones in depression and sexual impotence.« Progress in Brain Research 1975; 42: 25 – 36.
7.   Young, S., Ph. D., »Behavioral effects of dietary neurotransmitter precursors: Basic and clinical aspects.« 1976 summer; 20(2): 313 – 23.
8.   Van der Does, A. J., »The effects of tryptophan depletion on mood and psychiatric symptoms.« J Affect Disord 2001 May; 64(2 – 3): 107 – 19.
9.   Steinberg, S., Annable, L., Young, S. N. and Belanger, M. C., »Tryptophan in the treatment of late luteal phase dysphoric disorder: A pilot study.« J Psychiatry Neurosci 1994 Mar; 19(2): 114 – 19.
10.   Russell, I. J, Michalek, J. E., Viparo, G. A., Fletcher, E. M. and Wall, K. »Serum amino acids in fibrositis/fibromyalgia syndrome.« J Rheumatol Suppl 1989 Nov: 19: 158 – 63.
11.   Durstin, S. M., Devarajan, S. and Kutcher, S., »The ‚dalhousie serotonin cocktail« for treatment-resistant major depressive disorder.« J Psychopharmacol 2001 Jun; 15(2): 136 – 38.
12.   Levitan, R. D., Shen, J. H., Jindal, R., Driver, H. S., Kennedy, S. H. and Shapiro, C. M., »Preliminary randomized double-blind placebo-controlled trial of tryptophan combined with fluoxetine to treat major depressive disorder: Antidepressant and hypnotic effects.« Psychiatry Neurosci 2000 Sep; 25(4): 337 – 46.
13.   Brenner, R., Azbel, V., Madhusoodanan, S. and Pawlowska, M., »Comparison of an extract of hypericum (LI 160) and sertraline in the treatment of depression: A double-blind, randomized pilot study.« Clin Ther 2000; 22: 411 – 19.
14.   Volz, H. P. and Laux, P., »Potential treatment for subthreshold and mild depression: A comparison of Saint-John’s wort extracts and fluoxetine.« Compr Psychiatry 2000 Mar-Apr; 41(2 suppl 1): 133 – 37.

Das »Serotonin-Syndrom«

Bei einem zu hohen Serotoningehalt kann es zu einem lebensgefährlichen »Serotonin-Syndrom« kommen. Dieses Krankheitsbild wird ausschließlich mit der Einnahme von Antidepressiva in Verbindung gebracht. Meistens führt eine Kombination mehrerer Antidepressiva zu einem »Serotonin-Syndrom«.15

Auch eine Nährstofftherapie mit serotoninsteigernden Nährstoffen wie 5-HTP oder L-Tryptophan kann bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva zu einem »Serotonin-Syndrom« führen, daher sollte eine solche Behandlung erst nach dem Absetzen des Antidepressivum erfolgen.

Anzeichen für ein »Serotonin-Syndrom« sind (lt. Beipackzettel Paroxetin 2016):

  • Extreme Ruhelosigkeit
  • Verwirrtheit, Reizbarkeit, Halluzinationen
  • Schüttelfrost, Schwitzen
  • vermehrte Reflexe und plötzliche Muskelkontraktionen
  • hohes Fieber
  • Steifheit
  • Steigerung der Herzfrequenz

In bestimmten Fällen ist eine gleichzeitige Behandlung mit Antidepressiva und serotoninsteigernden Nährstoffen wie 5-HTP oder L-Tryptophan dennoch möglich, z.b. wenn der gemessene Serotoninspiegel im Körper extrem niedrig ist und man sich bereits im unteren Dosisbereich mit dem Antidepressivum befindet. Den unteren Bereich kann man bei der Gruppe der »SSRI/SNRI-Antidepressiva« aufgrund einer Studie zur Rezeptorenbelegung im Bereich ab 10 mg bestimmen, da hier schlagartig die meisten Rezeptoren frei werden.16 Wie das bei anderen Antidepressiva aussieht, ist unklar. Bitte lies dazu auch die folgenden Beiträge und den medizinischen Haftungsausschluss.

SSRI/SNRI-Antidepressiva: Warum zu hohe Dosen verschrieben werden und weshalb das den Antidepressivaentzug erschwert.

Das »Serotonin-Defizit-Syndrom«: Wie »SSRI/SNRI-Antidepressiva« den Serotoningehalt im menschlichen Körper negativ beeinflussen

Eine solche Behandlung sollte ausschließlich durch einen erfahrenen Experten erfolgen.

Labordiagnostik: Wie wird der Serotoninspiegel bestimmt?

Die Firma »Neurolab« bietet auch einen sogenannten »Neurostress-Test« an. Hier werden die wichtigen Botenstoffe Serotonin, Dopamin, Adrenalin, Noradrenalin, DHEA, GABA, Glutamat sowie Cortisol (Stresshormon) bestimmt.

Es kann sinnvoll sein einen »Neurostress-Test« zu machen. Es gibt verschiedene »Neurostress-Profile«, die mehrere Botenstoffe in einem Test bestimmen, je nach Stressprofil. Die Botenstoffe können aber auch einzeln bestimmt werden. Bitte bespreche das mit Deiner Ärztin, Deinem Arzt, da nur sie/er den Test anfordern kann.

Folgende zwei Werte werden zur Bestimmung serotoninerger (Serotoninerg bedeutet auf Serotonin reagierend oder Serotonin (als Neurotransmitter) enthaltend) Aktivität gemessen:

  • Serotonin (2. Morgenurin)
  • 5HIES (5-Hydroxyindolessigsäure)

Bei der 5-Hydroxyindolessigsäure handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, welches durch den Abbau von Serotonin entsteht. Es wird mit dem Urin ausgeschieden. Die Messung von 5HIES in Kombination mit dem nicht-metabolisierten (verstoffwechselten) Serotonin im Urin ermöglicht einen tieferen Blick in die Details serotoninerger Aktivität. Bei hohem serotoninergem Aktivitätsniveau sind sowohl Serotonin als auch 5HIES hoch, bei niedrigem Niveau ist der 5HIES Anteil erhöht. Auffällige 5HIES-Werte im Urin wurden im Übrigen bei Depressionen, Aggressionen, Parkinson Suizidalität gefunden.17 Bitte bespreche die Laborergebnisse und ihre Deutung mit einem erfahrenen Experten.

Auf der Website von »Neurospot«, einem weiteren Anbieter des Neurostress-Tests kann die Broschüre Akku leer? Sind Sie im Stress? Erschöpft? kostenlos heruntergeladen werden. Dort werden die neurobiologischen Funktionen der einzelnen Botenstoffe erklärt:

Akku leer? Sind Sie im Stress? Erschöpft?

Schilddrüse, Nebennieren, Hormone

Da die Einnahme, das Reduzieren und Absetzen von Psychopharmaka auch Hormone negativ beeinflussen können ist es wichtig auch eine Diagnostik der Schilddrüse und Nebennieren durchzuführen. Dazu empfehle ich die Ratgeber von Dr. med. Joachim Strienz:

Dr. Alexander Römmler, Endokrinologe und Anti-Aging-Experte, hat in seinem Buch Hormone – Leitfaden für die Anti-Aging Sprechstunde ebenfalls über Diagnostik und Behandlung von Schilddrüse und Nebennieren geschrieben.

Bitte lies auch meinen Beitrag über Schilddrüsenunterfunktion:

Depressionen und Ängste – Oft Fehldiagnosen bei Schilddrüsenpatienten

Fachliteratur und Links:

Nährstofftherapie: Orthomolekulare Medizin in Prävention, Diagnostik und Therapie von Volker Schmiedel

Omega-3 – Öl des Lebens: für mehr Gesundheit von Volker Schmiedel

Was die Seele essen will: Die Mood Cure von Julia Ross

Nahrungsergänzung für hochsensible Menschen Wie Du die Reizschwelle deiner Nerven in 3 Schritten erhöhst und im Alltag deutlich leistungsfähiger bist von Dr. phil. Anne-Barbara Kern

Gibt es Alternativen zu Antidepressiva?

Serotonin – das Glückshormon

Depression und Nährstoffe

Weitere Beiträge zu Depression und Nährstoffe von Dr. Schmiedel

Fußnoten
15. »Anti-Aging News Spezial 01/2010 – Serotonin:Neues« von Alexander Römmler
16.   Serotonin transporter occupancy of five selective serotonin reuptake inhibitors at different doses: an [11C]DASB positron emission tomography study by Meyer JH1, Wilson AA, Sagrati S, Hussey D, Carella A, Potter WZ, Ginovart N, Spencer EP, Cheok A, Houle S.
17. Erläuterung Laborbefund von Lab4more

Aloha*

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Das bin ich: Blogger, Webdesigner und Künstler. In diesem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit der Heilkraft der buddhistischen Psychologie und dem Absetzen von Psychopharmaka. Ich gebe wertvolle Tipps und zeige einen erfolgreichen Weg aus der Psychopharmaka-Falle durch das A-B-S-Konzept.