Beitrag depression-heute.de »Opium für das Volk. Die Apotheken Umschau erklärt Depressionen«© depression-heute.de | Beitrag: Opium für das Volk. Die Apotheken Umschau erklärt Depressionen

Apotheken-Umschau trifft falsche Aussagen über die Ursachen von Depressionen und über Antidepressiva

Im Artikel Wieder raus ins Leben der Novemberausgabe 2018 der Apotheken-Umschau werden einige, für Betroffene, fatale falsche Aussagen über die Ursachen von Depressionen und über Antidepressiva getroffen. Neueste Forschungsergebnisse werden ignoriert und eine Aufklärung über die Risiken und Nebenwirkungen von Antidepressiva erfolgt gar nicht. Angesichts der Tatsache, das diese Zeitschrift 20 Millionen Leser hat, ist das besorgniserregend. Daher bat ich die Autorin um eine schriftliche Stellungnahme sowie eine Korrektur der falschen Aussagen in der nächsten Ausgabe.

Sehr geehrte Frau Droll,
sehr geehrte Redaktion der Apotheken-Umschau,

soeben habe ich Ihren Beitrag Wieder raus ins Leben zum Thema Depressionen in der aktuellen Ausgabe der Apotheken-Umschau gelesen. Ich selbst habe Depressionen und nehme seit 2006 Paroxetin ein, ein »SSRI-Antidepressivum«. Auf meiner Website die-psychopharmaka-falle.de kläre ich über die Risiken und Nebenwirkungen dieser Medikamente auf, sowie deren geringer Wirksamkeit.

Es wundert mich sehr, dass Sie die Serotoninthese, als Hauptursache für Depressionen benennen, da diese längst durch wissenschaftliche Studien widerlegt wurde, von Professor Irving Kirsch von der Harvard University und Jay Fournier von der Pittsburgh University. Beide konnten nachweisen, dass diese Medikamente zu 75-83 % (je nach Studie) über den »Placeboeffekt« wirken. Selbst die DGPPN, (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde), die für die Erstellung der Behandlungsleitlinien für psychische Erkrankungen zuständig ist, stellt in ihrer Behandlungsleitlinie für Depressionen fest:

Breit rezipiert wurden die Studien von Kirsch und Kollegen [30-32], die postulieren, dass möglicherweise ca. 50 % der Wirkung von Antidepressiva auf Placeboeffekte zurückzuführen ist. So fanden die Autoren, dass im Bereich leichter Depressionen die Placebowirkung einen Großteil des antidepressiven Effektes von Medikamenten ausmacht und dass erst bei schweren Depressionen, im Rahmen des Rückgangs der Placebowirkung, ein wahrer Medikamenteneffekt zum Tragen kommt. Konkret bedeutet dies, dass die Differenz zum Placeboeffekt den von ehemals von der NICE als Grenzwert der klinischen Signifikanz festgelegten Wert von d=0,5 erst ab einem Hamilton-Depressionsscore von 28 überschreitet [30]. Eine neuere Studie [33] bestätigt den hohen Placeboanteil der medikamentösen antidepressiven Therapie.

Da die DGPPN keine eigenen Studien durchführt und die Studien von Kirsch und Fournier die einzig relevanten Studien dazu sind und insbesondere Prof. Kirsch auch Einsicht in die von der Pharmaindustrie nie veröffentlichten Studien hatte, kann man davon ausgehen, dass diese Werte der Realität entsprechen, wie die DGPPN auf einen Wert von 50% kommt erschließt sich nicht. Daher stellt sich mir die Frage, ob Sie diese wichtigen Studien bei der Recherche für Ihren Beitrag berücksichtigt haben oder ob Sie sich auf die Aussagen von Prof. Ulrich Hegerl von der »Stiftung Deutsche Depressionshilfe« verlassen haben? Herr Hegerl pflegt nachweislich intensive Kontakte zur Pharmaindustrie und ist für diese beratend tätig. Er hält Vorträge und bekommt für seine Tätigkeit Honorare u.a. von der Firma Lundbeck, Hersteller von Cipralex (SSRI-Antidepressiva), (siehe https://correctiv.org/recherchen/euros-fuer-aerzte/datenbank/empfaenger/ulrich-hegerl-/), einem der meist verschriebenen SSRI-Antidepressiva weltweit.

Auch Tom Bschor, Chefarzt der Psychiatrie der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg und Mitglied der Arzneimittelkommission, Mitautor der deutschen Behandlungsleitlinien sagt in einem Interview mit dem Magazin ZEIT ONLINE:

Obwohl Einzelstudien immer wieder scheinbar gute Ergebnisse für einzelne Medikamente lieferten, wissen wir aus Analysen, dass der Großteil der Wirkung, die wir sehen, wenn wir einem Patienten ein Antidepressivum geben, auf einen Placeboeffekt zurückgeht. Das ist wissenschaftlich eigentlich nicht zu bezweifeln. […] Dass Depressionen durch eine Verschiebung von Neurotransmittern wie Serotonin entstehen und dass Antidepressiva dies wieder ausbalancieren, stimmt mit Sicherheit nicht.

Erfreulich: In Großbritannien wurden daraufhin die Leitlinien zur Behandlung von Depressionen und für die Rückfallprävention geändert. Die Leitlinien empfehlen die Gabe von SSRI-Antidepressiva nur noch bei schweren Depressionen. Für leichte und mittelschwere Depressionen wird die sehr erfolgreiche und durch Studien als wirksam nachgewiesene »Achtsamkeitsbasierte kognitive Verhaltenstherapie« ( MBCT) der Oxoford University empfohlen.

Leider erwähnen Sie in Ihrem Beitrag auch nicht die gesundheits- und lebensgefährdenden Risiken und Nebenwirkungen dieser Medikamente. Bereits 2004 warnte die FDA (US-Gesundheitsbehörde, die auch für die Zulassung von Medikamenten zuständig ist) davor, dass SSRI-Antidepressiva Angst, Erregungszustände, Panikattacken, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Feindseligkeit, Impulsivität, Akathisie (starke Ruhelosigkeit), Hypomanie (abnormale Aufgeregtheit) und Manie (Psychose, charakterisiert durch übersteigerte Gefühle, Größenwahn) verursachen können. Dazu kommt das erhöhte Suizidrisiko (bis zu 50% erhöht, vor allem bei Jugendlichen) und das hohe Abhängigkeitspotenzial. Insbesondere bei Langzeiteinnahme (länger als ein Jahr) können diese Medikamente abhängig machen. Die Charité Berlin führt derzeit die erste Langzeitstudie dazu durch, da sich bisherige Studien maximal auf ein halbes Jahr beschränken, so der Studienleiter Prof. Hendrik Walter. Man will auch herausfinden, wie sich zwischen Absetzsymptomen und Symptomen der Rückkehr der Depressionen unterscheiden lässt. In diesem Zusammenhang ist die von Professor Hegerl zitierte Aussage

Antidepressiva einnehmen ist so wichtig wie Insulin bei Diabetes

besonders fatal, ebenso wie die Aussage, dass

manche diese Medikamente über Jahre oder sogar für immer einnehmen sollen.

Das wird Ihnen besonders bewusst werden, wenn Sie sich mit den zahlreichen negativen Auswirkungen von Antidepressiva auf die biologischen Funktionen von Serotonin auseinandersetzen. Bei der Langzeiteinnahme dieser Medikamente kommt es zu einem »Serotonin-Defizit-Syndrom«, da diese Medikamente den Serotoninspiegel stark senken, dies kann man für den Körper durch eine einfache Blutuntersuchung nachweisen, für das Gehirn ist das nicht möglich. Dennoch ist es von hoher Relevanz, da das meiste Serotonin im Darm und nicht im Gehirn gebildet wird. Serotonin ist für uns Menschen so lebensnotwendig, wie Benzin für ein Auto mit Verbrennungsmotor, ohne es funktioniert es/wir nicht, selbst wenn es voll funktionsfähig ist, rührt es sich ohne Benzin nicht vom Fleck, es springt nicht mal an. Serotonin ist unser Treibstoff, ohne funktionieren wir nicht mehr, selbst wenn wir körperlich und psychisch vollkommen gesund sind.

Hinsichtlich des hohen Abhängigkeitspotenzials, insbesondere nach Langzeiteinnahme, sind kürzlich zwei wichtige Artikel erschienen, die für großes Aufsehen gesorgt haben, einer in der New York Times (über 1100 Kommentare) und kurz darauf einer in der ZEIT ONLINE (über 1000 Kommentare):

Many People Taking Antidepressants Discover They Cannot Quit (New York Times)

Antidepressiva – Wenn die helfenden Pillen abhängig machen (ZEIT ONLINE)

Insbesondere die auch in der Zeit erwähnte Studie von Claire Cartwright und Kollegen (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4970636/), die Entzugssymptome bei 3/4 aller Patienten nachweisen konnte, ist besorgniserregend. Das widerspricht der Aussage von Hegerl, der behauptet,

dass Absetzsymptome selten sind.

Ich bin einer von vielen Betroffenen, die negative Erfahrungen mit der Einnahme und/oder dem Absetzen dieser Medikamente gemacht haben, die selbst von den beiden großen Selbsthilfeorganisationen für Menschen mit Depressionen (»Stiftung Deutsche Depressionshilfe« und »Deutsche Depressionsliga e.V.«) systematisch geleugnet werden. Beide Organisationen nehmen für sich in Anspruch die Interessen ALLER Menschen mit Depressionen in der Öffentlichkeit und gegenüber der Politik zu vertreten, was sie faktisch nicht tun, wenn sie das Leid derjenigen ignorieren, die negative Erfahrungen mit diesen Medikamenten gemacht haben. Beide Organisationen empfehlen auf Ihren Websites und in ihren Publikationen Antidepressiva als gut wirksame und nebenwirkungsarme Behandlungsmethode und das Antidepressiva nicht abhängig machen und die Persönlichkeit nicht verändern. Wenn man eine Empfehlung ausspricht, dann erwarte ich von einer Selbsthilfe-Organisation, deren oberste Intention das Wohlbefinden und die Gesundheit derjenigen sein sollte, die sie vertritt, auch über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären.

Ich frage Sie, werden diese beiden Organisationen ihren Ansprüchen gerecht? Stehen das Wohlbefinden und die Gesundheit derjenigen, deren Interessen sie vertreten wirklich an erster Stelle oder sind es vielmehr die Interessen der Pharmaindustrie? Beide Organisationen haben in ihrer Satzung stehen pharmaunabhängig, nach ihrer Handlungsweise zu schließen, ist das schwer vorstellbar.

Wenn Sie das nächste Mal einen Beitrag zu diesem Thema schreiben, würde ich mir wünschen, dass sie sorgfältiger recherchieren und nicht befangene Experten zurate ziehen. Ich selbst hatte mehrere Auseinandersetzungen mit Herrn Hegerl, ich habe versucht im Interesse von Betroffenen, von denen es so viele gibt, dass einige ein Forum gegründet haben, in dem auch ich Mitglied bin, (»Antidepressiva-Forum-Deutschland« , kurz ADFD) zu vermitteln und mehrfach darum gebeten, auf die Risiken und Nebenwirkungen dieser Medikamente deutlich hinzuweisen, leider ohne Erfolg. Als Journalistin ist es Ihre Aufgabe neutral zu sein. Ich hätte mir gewünscht, Sie hätten sich die zahlreichen Leidensgeschichten von Betroffenen in unserem Forum durchgelesen. Ich hätte mir gewünscht, Sie hätten Experten wie Peter Ansari von depression-heute.de, Peter Lehmann zurate gezogen oder auch Tom Bschor oder Professor Hendrik Walter, von dessen wissenschaftlichen Arbeiten sich Prof. Hegerl distanziert, ebenso wie von Professor Kirsch. Wenn Sie die Beweggründe und Ansichten von Prof Hegerl verstehen wollen, dann empfehle ich Ihnen meinen E-Mail-Austausch mit ihm zu lesen, ich habe diesen mit seiner Erlaubnis als Beitrag veröffentlicht:

Die Selbsthilfe-Organisation »Stiftung Deutsche Depressionshilfe« verschweigt in ihren Publikationen die Risiken und Nebenwirkungen durch SSRI-Antidepressiva

Ich würde Sie auch bitten meine Abhandlung zum Thema zu lesen. Ich betrachte es aus unterschiedlichen Sichtweisen: Aus wissenschaftlicher Sicht, aus wirtschaftlicher Sicht und aus sozialpsychologischer Sicht, für mich die wichtigste und meist vernachlässigte Sichtweise.

Wenn Sie das getan haben, dann bitte ich Sie um eine Stellungnahme, da ich diesen Beitrag auf meinem Blog und im ADFD publizieren werde. Außerdem würde ich mir eine Richtigstellung des Beitrages in einer der nächsten Ausgaben der Apotheken-Umschau wünschen. Sie tragen eine große Verantwortung, die Apotheken-Umschau hat ca. 20 Millionen Leser. Als Journalistin ist es Ihre Pflicht, Ihre Leser umfassend und nicht einseitig zu informieren. Sie erhalten für Ihre Arbeit einen Lohn, wir vom ADFD erhalten nichts für unser Engagement und unsere Aufklärungsarbeit und dazu kommt, dass jedes der Teammitglieder sich selbst seit Jahren in einem oder mehreren schweren, kräftezehrenden Entzug (Entzügen) von Psychopharmaka befinden. Ich selbst bin kein Teammitglied, tue aber das gleiche mit meinem Blog. Ich habe seit 2015 mehrere Versuche unternommen Paroxetin abzusetzen, jedes Mal kam es zu einem brutalen und lebensbedrohlichen »SSRI-Absetzsyndrom«, wie es die Industrie im Beipackzettel so harmlos bezeichnet.

Die Wahrheit ist oft unbequem, ja für viele sicher schockierend, aber sollte sie deshalb weiter verheimlicht werden? Das die Wahrheit über diese Medikamente nicht ans Licht kommt, nützt nur einem, der Pharmaindustrie, die damit Milliarden verdient und das auf Kosten des Lebens von Tausenden von Menschen.

Ja diese Medikamente helfen ganz vielen Menschen, aber eben aufgrund des wissenschaftlich nachgewiesenen Placeboeffekts. Angesichts der schwerwiegenden Risiken und Nebenwirkungen dieser Medikamente ist es aber verantwortungslos Patienten nicht darüber aufzuklären, idealerweise bevor ein Arzt sie seinem Patienten verschreibt, was leider eher selten geschieht.

Die meisten Ärzte und Psychiater vertrauen der Pharmaindustrie, sie hinterfragen deren Thesen nicht. Vielen wird allerdings mehr und mehr bewusst, dass sie sich haben jahrzehntelang von der Pharmaindustrie täuschen lassen und können jetzt nicht mehr zurück, aus Angst ihr Gesicht zu verlieren, sich selbst und der Öffentlichkeit eingestehen zu müssen, so naiv, so dumm, so gutgläubig gewesen zu sein. Herr Hegerl gehört zu diesen Personen. Ich habe ihm in einer meiner letzten E-Mails geschrieben, dass ich hoffe, dass er sich seinen Irrtum rechtzeitig eingestehen kann. Menschen machen Fehler, irren sich, das ist keine Schande, sofern man die Fehler erkennt und berichtigt. Beide Organisationen könnten wertvolle Aufklärungsarbeit leisten, sie haben großen Einfluss, dass sie dies nicht tun, ist ein Indiz, das sie aus falschen Beweggründen handeln und auch nicht im Interesse von Betroffenen.

Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie zu einer schriftlichen Stellungnahme bereit sind, die ich dann zum Beitrag publizieren darf und noch viel wichtiger, ob Sie dazu bereit sind, die Falschaussagen in Ihrem Artikel in der nächsten Apotheken-Umschau in einer Richtigstellung zu korrigieren. Dies betrifft folgende falsche Aussagen:

  • Beiden Geschlechtern fehlt bei einer Depression Serotonin. (Seite 14 Burn-out finden Männer besser) Dafür gibt es bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis (wenn sie einen eindeutigen schriftlichen Beweis dafür haben, legen Sie mir diesen bitte vor), es handelt sich also um eine Vermutung. Die Serotoninthese der Pharmaindustrie (Serotoninmangel ist die Hauptursache von Depressionen und Antidepressiva beseitigen das Serotonindefizit) wurde durch die wissenschaftlichen Studien von Kirsch und Fournier sogar eindeutig widerlegt. Die Hauptwirkung erfolgt durch den Placeboeffekt.
  • Botenstoffe wie Dopamin geraten aus dem Gleichgewicht. (Seite 16 Der Druck ein Mann zu sein) Dafür gibt es bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis, es handelt sich also um eine Vermutung oder Meinung von Prof. Hegerl (falls sie einen Beweis haben, bitte vorlegen).
  • Patienten, die ein besonders hohes Rückfallrisiko haben, […] sollen langfristig Tabletten einnehmen: über Monate, Jahre oder sogar immer. Wenn die Erkrankung so schwer ist, dann ist das so wichtig wie Insulin bei einem Diabetiker. (Seite 18 Stabil bleiben). Je länger diese Medikamente eingenommen werden, umso schwieriger wird es diese wieder abzusetzen. Hinzu kommen die zahlreichen negativen physischen und psychischen Symptome und Folgeerkrankungen aufgrund der Tatsache, dass diese Medikamente bei Langzeiteinnahme den Serotoninspiegel stark senken (im Körper durch eine einfache Blutuntersuchung nachweisbar, da das meiste Serotonin im Darm produziert wird).
  • Wer die Arzneien doch absetzt, sollte sie vorsichtig unter ärztlicher Kontrolle ausschleichen, um seltene, aber mögliche Absetzsymptome gering zu halten. (Seite 18 Stabil bleiben) Die Studie von Claire Cartwright und Kollegen stellte Entzugssymptome bei 3/4 aller Patienten fest, dies widerspricht der Behauptung von Herr Hegerl.

Zum Schluss würde ich Sie bitten auch den hervorragenden Beitrag von Peter Ansari von depression-heute.de zu Ihrem Artikel zu lesen:

Opium für das Volk. Die Apotheken Umschau erklärt Depressionen

Bevor Sie Ihre Stellungnahme verfassen, möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich mit meinem Beitrag nicht Sie als Person angreife, es geht ausschließlich um den Sachinhalt Ihres Beitrages. Auch möchte ich niemanden belehren, daher bitte ich Sie, den folgenden Absatz als einen für mich stets wichtigen Hinweis zu verstehen, um einen möglichst konstruktiven und wertschätzenden Dialog zwischen uns zu ermöglichen:

Bei emotionalen Themen fühlen wir Menschen uns schnell in unserem Selbstwertgefühl angegriffen, z. B. wenn wir kritisiert werden und/oder unsere Kompetenz infrage gestellt wird. Hinzu kommt, dass jeder von uns sein eigenes Weltbild hat, entstanden aufgrund dessen, wann, wo und von wem und in welchem Umfeld wir geboren, erzogen, aufgewachsen und sozialisiert wurden und welche Überzeugungen, Wahrnehmungen und Vorstellungen wir aufgrund dessen und der im Laufe unseres Lebens gemachten Erfahrungen gewonnen haben, die uns geprägt haben. So entsteht unser eigenes Bild der Welt. Werden wir dann mit der Realität konfrontiert und diese Realität entspricht nicht unserem Weltbild, dann kommt es häufig zu kognitiven Dissonanzen, die mit starken negativen Emotionen einhergehen. Der Mensch möchte keine negativen Emotionen haben und ist daher bestrebt, diese möglichst schnell loszuwerden. Dafür benutzen wir das, was die Sozialpsychologie als »kognitive Dissonanzreduktion« bezeichnet. Wir passen die Realität durch verschiedene Handlungsweisen (Bestätigung durch Andere, Selbstbestätigung durch »positive Affirmation«, Diskreditierung und Diskriminierung von Andersdenkenden durch Abwerten) solange an unser Weltbild an, bis beides wieder übereinstimmt. Wir tun das aus einem bestimmten Grund: Der Lieblingszustand unseres Gehirns ist Kohärenz, da es so am wenigsten Energie verbraucht. Bitte berücksichtigen Sie dies, wenn Sie eine Stellungnahme dazu schreiben möchten.

Mit freundlichen Grüßen

Markus Hüfner

Sobald mir eine Stellungnahme der Autorin bzw. der Redaktion der Apotheken-Umschau vorliegt und ich diese veröffentlichen darf, werde ich dies hier tun. Einige, die diesen Beitrag gelesen haben und meine Absicht verstehen, warum ich diesen Beitrag geschrieben habe, werden jetzt vielleicht denken:

Das ist sinnlos und verschwendete Energie und Zeit. Ich allein kann ohnehin nichts ausrichten. Vermutlich wird der Beitrag von den Adressaten gar nicht gelesen und selbst wenn, dann gibt es sicher keine Stellungnahme dazu und schon gar nicht eine Richtigstellung in der nächsten Ausgabe.

Das mag so sein und ich habe auch nicht die Erwartung, dass dies geschehen wird. Allerdings gibt es das Prinzip von Ursache und Wirkung, dem das gesamte Universum folgt. Jede Aktion, jede Handlung und jede Nicht-Handlung führt zu einer Reaktion, was das für eine ist und wann diese eintritt, darauf haben wir keinen Einfluss. Manchmal kommt die Wirkung sofort, manchmal dauert es etwas und manchmal dauert es sehr lange.

Daher ist es so wichtig auf Irrtümer, Missstände, falsche Wahrnehmungen und Fehlverhalten aufmerksam zu machen, zu handeln, in Aktion zu treten. Es gibt so viele Möglichkeiten, diesen Planeten zu einem besseren Ort für alle Lebewesen zu machen, sich zu engagieren im Umweltschutz, Naturschutz, der Politik, auf der Straße, über die sozialen Medien und jeder der denkt, er könne allein nichts ändern, er habe keinen Einfluss, der stelle sich bitte mal kurz folgende Situation vor:

Eine heiße Sommernacht, Du willst schlafen und hörst das Summen einer Stechmücke. Du weißt, Du wirst erst schlafen können, wenn Du diesen Plagegeist los bist und das kann schon mal etwas länger dauern und Dich ärgern. Merkst Du was? So ein kleines Lebewesen, dass nicht mehr kann, als Dir einen harmlosen Stich zu verpassen, hat so eine große Wirkung auf Dich. Du kannst mehr bewirken, als Du denkst.

Stellungnahme der Autorin und Redaktion vom 23. November 2018

Sehr geehrter Herr Hüfner,

vielen Dank für Ihre Reaktion auf unseren Artikel zum Thema Depression bei Männern und Ihre ausführlichen Hinweise. In unserer Titelgeschichte stehen Antidepressiva und die einer Depression zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen nicht im Vordergrund, sondern die Besonderheiten der Erkrankung bei Männern. In diesem Zusammenhang werden Antidepressiva lediglich als ein wichtiges Instrument zur Vermeidung von Rückfällen bei besonders schwer Betroffenen genannt. Die medizinische Leitlinie, die auf Grundlage einer systematischen Auswertung der Studienlage erarbeitet wird, deckt diese Aussage. https://www.leitlinien.de/nvl/html/depression/kapitel-3#k3-4

Nach Durchsicht Ihrer Anmerkungen und der darin genannten Quellen sind wir der Überzeugung, dass in unserem Beitrag die Behandlungsoptionen korrekt und dem Stand des medizinischen Wissens entsprechend dargestellt sind.

Herzliche Grüße, Silke Droll

Meine Antwort vom 24. November 2018

Sehr geehrte Frau Droll,
sehr geehrte Redaktion,

vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Sie heben in dieser hervor, dass in Ihrem Beitrag nicht die einer Depression zugrunde liegenden neuronalen Mechanismen im Vordergrund stehen, sondern die Besonderheiten der Erkrankung bei Männern. Für die Aussage Beiden Geschlechtern fehlt bei einer Depression Serotonin (Seite 14 Burn-out finden Männer besser) ist es nicht relevant, was im Vordergrund steht, denn diese Aussage ist und bleibt falsch. Besonders fatal ist, dass Sie mit dieser falschen Aussage, dem Leser suggerieren, dies sei eine bewiesene Tatsache. Sie stellen eine Behauptung auf, die der Leser aber als bewiesene Tatsache ansieht, obwohl es dafür bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis gibt, aber gleich mehrere Studien, die diese Behauptung (Serotoninthese) eindeutig widerlegen (Kirsch, Fournier und Kollegen). Sie schreiben nicht etwa beiden Geschlechtern fehlt bei einer Depression vermutlich/wahrscheinlich Serotonin oder die Ursachen dafür sind bisher nicht bekannt. Wenn Sie eine Aussage treffen, die der Leser als erwiesene Tatsache wahrnimmt, ohne einen wissenschaftlichen Beweis für diese Aussage anzuführen, dann ist das kein seriöser Journalismus.

Sie schreiben In diesem Zusammenhang werden Antidepressiva lediglich als ein wichtiges Instrument zur Vermeidung von Rückfällen bei besonders schwer Betroffenen genannt und verweisen auf die Leitlinien. Sie sprechen also eine Empfehlung zur Behandlung und zur Vermeidung von Rückfällen bzgl. schwerer Depressionen aus. Das kritisiere ich nicht. Ich kritisiere, dass Sie in diesem Zusammenhang nicht auf die Risiken und Nebenwirkungen hinweisen. Wenn Sie eine Behandlungsempfehlung geben, ohne auf die Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen, ist das ebenfalls kein seriöser und ausgewogener Journalismus. Damit tragen Sie zu der bereits weitverbreiteten Meinung bei, diese Medikamente seien harmlos und hätten keine ernsthaften Nebenwirkungen. Hier hätte ich mir eine Pro- und Kontra-Liste bzgl. der Behandlung von Depressionen mit Antidepressiva gewünscht. Stattdessen berichten Sie einseitig, auch das ist kein seriöser Journalismus.

Mit der von Professor Hegerl getroffenen Aussage, dass Absetzsymptome selten sind suggerieren Sie dem Leser die Meinung eines vermeintlichen Experten als bewiesene Tatsache. Die Studie von Claire Cartwright und Kollegen (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4970636/), die Entzugssymptome bei 3/4 aller Patienten nachweisen konnte beruht auf wissenschaftlichen Fakten, die der Meinung von Professor Hegerl widersprechen. Sie stimmen mir sicher zu, dass man wissenschaftlich nachgewiesene Entzugssymptome bei 75% aller Patienten nicht als selten bezeichnen kann. Die Bezeichnung sehr häufig würde den Fakten entsprechen.

Finden Sie es nicht auch bemerkenswert, dass laut der Studie von Mendel und Kollegen (Mendel R, Hamann J, Traut-Mattausch E et al. What would you do if you were me, doctor?: randomised trial of psychiatristsʼ personal v. professional perspectives on treatment recommendations. Br J Psychiatry 2010; 197: 441 – 447) nur 40% aller Psychiater die Medikamente selbst einnehmen würden, die Sie leichtfertig und oft ohne auf deren Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen ihren Patienten verordnen? Das bedeutet, dass die Mehrzahl der Psychiater ein Medikament zur Behandlung empfehlen, von dem Sie selbst nicht überzeugt sind, dass es ihren Patienten helfen wird und ihnen nicht schaden wird.

Sie haben 20 Millionen Leser. 20 Millionen Leser, denen Sie Behauptungen, Vermutungen und Meinungen als wissenschaftlich bewiesene Tatsachen präsentieren und dabei die wahren, auf Grundlage wissenschaftlicher Studien, nachgewiesenen Fakten ignorieren. Sie erwähnen diese erst gar nicht. Somit ist Ihr Beitrag keineswegs wissenschaftlich korrekt und entspricht nicht dem neuesten Stand des medizinischen Wissens. Ich finde das verantwortungslos und besorgniserregend.

Das traurige für uns Betroffene ist, dass wir nichts anderes erwartet haben. Denken Sie doch bitte zum Schluss ein Mal über folgende Frage nach:

Würden Sie diese Medikamente einnehmen, wenn ein Arzt sie Ihnen verordnen würde oder würden Sie sie einer geliebten Person voller Überzeugung empfehlen, nachdem Sie die tatsächlichen Fakten nun kennen?

Mit freundlichen Grüßen

Markus Hüfner

Aloha*

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Das bin ich: Blogger, Webdesigner und Künstler. In diesem Blog schreibe ich über meine Erfahrungen mit der Heilkraft der buddhistischen Psychologie und dem Absetzen von Psychopharmaka. Ich gebe wertvolle Tipps und zeige einen erfolgreichen Weg aus der Psychopharmaka-Falle durch das A-B-S-Konzept.

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