Werte oder Ziele? Die deutsche Leitkultur und die Flüchtlingsproblematik

Plakat Refugees Welcome© hanohiki | Berlin, Germany , September 16, 2015: Graffiti with the political slogan "Refugees Welcome", Berlin | shutterstock.com

Veröffentlicht als Leserbrief in der Fuldaer Zeitung.

In letzter Zeit ist im Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik immer wieder die Rede von deutschen Werten und allzu oft werden Werte mit Zielen oder Regeln verwechselt. Was ist der Unterschied zwischen Werten und Zielen bzw. Regeln?

Der Psychologe und Autor Russ Harris definiert Werte als unsere tiefsten Herzenswünsche, wie wir uns als Mensch verhalten wollen; es sind die Eigenschaften, die wir in unser tägliches Handeln einbringen wollen. Werte begleiten uns unser ganzes Leben lang, sie sind unser Leitfaden, während Ziele erreicht oder nicht erreicht werden können, d.h., Ziele kann man abhaken. Leider leben wir heutzutage in einer Gesellschaft, die auf Ziele und nicht auf Werte ausgelegt ist. Selbst wenn wir Werte sagen, sind oft Regeln oder Ziele gemeint.

Bei Werten geht es darum, wie wir uns verhalten wollen, bei Zielen, was man bekommen will. Werte drücken aus, wie wir uns verhalten wollen, um unsere Ziele zu erreichen oder wie wir uns verhalten wollen, wenn wir unsere Ziele nicht erreichen.

Regeln definieren wir meist durch Ausdrücke wie »richtig«, »falsch«, »gut«, »schlecht«, »sollte«, »sollte nicht«, »muss« und »müsste«. Regeln sagen uns, wie wir unser Leben leben sollen, sie informieren uns über die richtige oder falsche Weise, etwas zu tun. Regeln vermitteln uns oft ein Gefühl der Verpflichtung, sie können uns belasten, unsere Optionen einschränken.

Wenn wir mit unseren Werten in Kontakt sind, wollen wir den Flüchtlingen helfen, weil es uns wichtig ist, weil wir mitfühlen, weil wir freundlich sein wollen, helfen wollen, es ist unser Herzenswunsch, dies zu tun. Sind wir dagegen mit starren Regeln verschmolzen, hört sich das eher so an »es ist richtig, das zu tun«, »wir sind es den Flüchtlingen schuldig«, »uns geht es gut, wir sind dazu verpflichtet zu helfen«.

Der erste Weg wirkt oft befreiend und belebend, während Letzterer erschöpfend und belastend sein kann. Flüchtlinge aufzunehmen ist ein Ziel, wenn Politiker von einer »Verpflichtung zur Willkommenskultur« sprechen, ist das eine Regel. Beides sagt nichts darüber aus, wie wir aufgenommenen Flüchtlingen begegnen wollen.

Lassen wir uns von unseren Werten leiten und handeln auch diesen folgend.

Das Leben besteht nicht aus großen Opfern oder Pflichten, sondern aus kleinen Dingen. Wo Lächeln, Freundlichkeit und Verbindlichkeit selbstverständlich sind, wird das Herz gewonnen und erhalten, und es fehlt nicht an Trost.Humphry Davy

Aloha*

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